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Markenstrategie & Markenarchitektur

Dachmarke

Umbrella Brand / Corporate Brand

Eine Dachmarke führt das gesamte Angebot eines Unternehmens unter einem einzigen Markennamen. Alle Produkte und Leistungen zahlen auf dieselbe Marke ein und profitieren von ihrer Bekanntheit. Das bündelt Kraft und Budget, macht die Marke aber zugleich anfällig: Ein Problem bei einem Produkt trifft die ganze Marke.

Erklärung

Die Dachmarkenstrategie stellt eine Marke über alles, was ein Unternehmen anbietet. Ob unterschiedliche Produkte, Leistungen oder Kategorien — sie tragen denselben Namen und dasselbe Zeichen. Der Kunde kauft nicht ein isoliertes Produkt, sondern immer die eine Marke, egal in welcher Ausprägung. Im angelsächsischen Sprachgebrauch entspricht das dem Branded House.

Der große Vorteil ist Effizienz. Jede Aktivität, jeder verkaufte Artikel, jede Kommunikation zahlt auf dasselbe Konto ein. Bekanntheit und Vertrauen bauen sich schneller auf, weil sie sich nicht auf viele Marken verteilen. Ein neues Produkt startet nicht bei null, sondern erbt den Vertrauensvorschuss der etablierten Dachmarke — das ist der Grund, warum Markendehnung unter einer Dachmarke deutlich günstiger gelingt. Für den Mittelstand mit begrenztem Budget ist die Dachmarke deshalb oft die wirtschaftlich vernünftigste Architektur.

Der Preis ist das geteilte Risiko. Weil alles unter einem Namen läuft, trifft ein Skandal, ein Qualitätsproblem oder ein Fehltritt in einem Bereich sofort die gesamte Marke. Außerdem verliert die Dachmarke an Schärfe, je unterschiedlicher die Angebote werden, die sie tragen soll. Eine Marke, die für zu Vieles steht, steht am Ende für nichts Bestimmtes mehr.

Abgrenzung

Dachmarke und Einzelmarke sind die Gegenpole. Die Dachmarke bündelt alles unter einem Namen; die Einzelmarke gibt jedem Produkt eine eigene, getrennte Marke. Von der Familienmarke unterscheidet sich die Dachmarke im Umfang: Die Familienmarke deckt eine Produktgruppe ab, die Dachmarke das gesamte Angebot. In der Praxis mischen viele Unternehmen — eine Dachmarke, die einzelne Produktmarken mit ihrem Namen bestätigt (siehe Endorsed Brand). Reine Formen sind seltener als Mischformen.

Beispiel

Apple ist der klare Fall einer Dachmarke im Sinne des Branded House. iPhone, iPad, Mac, Apple Watch, Services — alles läuft unter der einen Marke Apple und zahlt auf sie ein. Die Produktnamen sind Deskriptoren unter dem Markendach, keine eigenständigen Marken mit unsichtbarem Absender. Jedes neue Produkt profitiert sofort von der Reputation der Marke, und jede Produktqualität wirkt umgekehrt auf die gesamte Marke zurück.

Was heißt das für dich?

Für die meisten Mittelständler ist die Dachmarke die richtige Grundentscheidung: Du hast selten das Budget, mehrere Marken parallel aufzubauen. Achte aber auf die Grenze. Wenn du unter deine Marke immer mehr, immer unterschiedlichere Angebote packst, verwässert ihre Bedeutung. Frag bei jeder Erweiterung: Stärkt das die Kernaussage meiner Marke — oder verdünnt es sie nur, weil ich das Wachstum bequem unter dem bestehenden Namen mitnehmen will?