StartMarken-GlossarHandelsmarke / Eigenmarke

Markentypen & Spezialstrategien

Handelsmarke / Eigenmarke

Private Label / Store Brand

Eine Handelsmarke ist eine Marke, die von einem Handelsunternehmen geführt wird, nicht vom Hersteller. Der Händler besitzt die Marke, bestimmt Sortiment und Preis und lässt oft bei fremden Produzenten fertigen. Ziele sind höhere Marge, Kundenbindung und Unabhängigkeit von Herstellermarken. Sie reicht vom Preiseinstieg bis zur eigenen Qualitätslinie im oberen Segment.

Erklärung

Die Handelsmarke — auch Eigenmarke oder Private Label — ist definiert über den Markeneigentümer: Sie gehört einem Handelsunternehmen, nicht dem Produzenten. Der Händler entwickelt, benennt und positioniert die Marke, kontrolliert das Sortiment, setzt den Preis und lässt die Ware in der Regel bei externen Herstellern produzieren, die auf der Packung nicht in Erscheinung treten.

Der wirtschaftliche Hebel ist mehrschichtig. Erstens die Marge: Weil der Händler die aufwendige Markenwerbung des Herstellers einspart und die Wertschöpfungskette verkürzt, kann er günstiger anbieten und trotzdem mehr verdienen. Zweitens die Bindung: Eine gute Eigenmarke gibt es nur bei diesem einen Händler — sie wird zum Grund, gerade dort zu kaufen. Drittens die Unabhängigkeit: Eigenmarken senken die Abhängigkeit von starken Herstellermarken und verschieben Macht im Regal zugunsten des Handels.

Handelsmarken sind längst nicht mehr nur billige Nachahmer. Das moderne Eigenmarken-Portfolio ist gestuft: eine Preiseinstiegslinie ganz unten, eine breite Standardlinie in der Mitte, oft eine eigene hochwertige oder Bio-Linie oben. Damit deckt der Händler mehrere Preis- und Qualitätsniveaus mit eigenen Marken ab und tritt in einigen Segmenten in direkten Qualitätswettbewerb mit den Herstellermarken.

Abgrenzung

Handelsmarke und Herstellermarke unterscheiden sich im Eigentümer, nicht im Produkt — dieselbe Fabrik kann beides fertigen. Die Herstellermarke wird vom Produzenten geführt und ist über viele Händler hinweg verfügbar; die Handelsmarke gehört dem Händler und ist exklusiv bei ihm zu haben. Von der Gattungsmarke (No-Name) unterscheidet sich die Handelsmarke dadurch, dass sie tatsächlich profiliert und geführt wird — mit eigenem Namen, Design und Qualitätsanspruch, statt nur funktional-anonym im Regal zu stehen.

Beispiel

Die REWE-Gruppe zeigt die Stufung exemplarisch: „ja!” als Preiseinstiegsmarke, „REWE Beste Wahl” als Standard-Eigenmarke und „REWE Bio” als eigene Qualitäts- und Bio-Linie. Alle drei gehören dem Händler, werden von wechselnden Produzenten gefertigt und sind ausschließlich im eigenen Vertrieb erhältlich. Über dieses Portfolio besetzt REWE mehrere Preisniveaus mit eigenen Marken — und bindet Kunden an die eigenen Filialen, statt sie an fremde Herstellermarken zu verlieren.

Was heißt das für dich?

Als Hersteller im Mittelstand triffst du auf Handelsmarken meist als Wettbewerber im Regal — oder als Chance. Zwei Wege sind gangbar: Du differenzierst deine Herstellermarke so klar, dass der Preisabstand zur Eigenmarke gerechtfertigt ist (dann brauchst du eine echte, benennbare Überlegenheit). Oder du produzierst selbst als Auftragsfertiger für Handelsmarken — das füllt Kapazitäten, kostet dich aber Markenhoheit und Marge. Beides gleichzeitig ist heikel: Wer für den Handel dessen Eigenmarke fertigt und daneben die eigene teurere Marke verteidigt, muss den Qualitäts- und Preisunterschied glaubwürdig begründen können.