Markenführungs-Modelle
Identitätsbasierte Markenführung
Identity-Based Brand Management
Die identitätsbasierte Markenführung von Burmann und Meffert versteht die Marke als Zusammenspiel von Identität und Image. Die Identität wird intern gebildet (inside-out): wofür die Marke aus Sicht der Mitarbeiter steht. Das Image entsteht extern (outside-in): wie Kunden die Marke wahrnehmen. Starke Marken schließen die Lücke zwischen dem Selbstbild und dem Fremdbild.
Erklärung
Die identitätsbasierte Markenführung ist der im deutschsprachigen Raum prägende Ansatz der Markenforschung, maßgeblich entwickelt von Christoph Burmann und Heribert Meffert. Ihr Kerngedanke: Eine Marke hat zwei Seiten, die zusammenpassen müssen. Auf der einen Seite steht die Markenidentität — das Selbstbild, das intern entsteht und aktiv gestaltet wird. Auf der anderen Seite steht das Markenimage — das Fremdbild, das bei den Kunden im Kopf entsteht und nicht direkt steuerbar ist. Führung heißt, beide Seiten in Deckung zu bringen.
Die Identität wird inside-out gebildet: von innen nach außen. Sie beruht auf sechs Komponenten — Markenherkunft (woher die Marke kommt), Markenkompetenz (was sie kann), Markenwerte (woran sie glaubt), Markenpersönlichkeit (wie sie kommuniziert), Markenvision (wohin sie will) und Markenleistungen (was sie konkret anbietet). Diese Komponenten sind die Aussagen-Seite: Sie beschreiben, was die Marke von sich behauptet und wie sie sich verhält.
Das Image entsteht outside-in: von außen nach innen. Es ist die Wirkungs-Seite — das Ergebnis aller Erfahrungen, die ein Kunde mit der Marke macht. Der entscheidende Hebel des Modells ist die Passung zwischen beidem: Nur wenn das, was die Marke intern lebt und verspricht (Identität), mit dem übereinstimmt, was der Kunde erlebt und wahrnimmt (Image), entsteht Markenvertrauen. Diese Passung heißt im Modell Markennutzenversprechen (nach innen) und Markenerwartung (nach außen).
Ein zentraler Beitrag des Ansatzes ist das Brand Behavior: Das Verhalten der Mitarbeiter im Kundenkontakt ist Teil der Marke, nicht nur die Kommunikation. Die Marke wird an jedem Touchpoint durch Menschen eingelöst — oder gebrochen. Damit rückt die interne Markenführung (Brand Citizenship Behavior) ins Zentrum, was den Ansatz für inhabergeführte Unternehmen besonders anschlussfähig macht.
Abgrenzung
Die identitätsbasierte Markenführung wird oft mit dem Aaker-Modell in einen Topf geworfen, weil beide mit dem Begriff der Markenidentität arbeiten. Der Unterschied: Aaker denkt Identität primär als Planungsrahmen aus vier Perspektiven. Burmann und Meffert denken Identität und Image als Wechselspiel von Selbst- und Fremdbild und legen besonderes Gewicht auf das Mitarbeiterverhalten (inside-out über Brand Behavior). Der deutsche Ansatz ist stärker verhaltens- und führungsorientiert.
Nicht zu verwechseln ist die Identität mit dem Image. Die Identität ist die aktiv gestaltbare Aussage der Marke, das Image das nicht direkt steuerbare Echo beim Kunden. Wer beides gleichsetzt, übersieht genau die Lücke, die es zu schließen gilt.
Beispiel
Das Modell zeigt sich an dm-drogerie markt und seiner internen Markenführung. Die Identität (inside-out) ist über Werte wie Eigenverantwortung und Vertrauen definiert und wird intern konsequent gelebt — Filialmitarbeiter haben ungewöhnlich weite Handlungsspielräume. Das Image (outside-in) beim Kunden — verlässlich, menschlich, unaufgeregt — entsteht nicht durch Werbung allein, sondern weil das interne Selbstverständnis am Touchpoint Filiale tatsächlich ankommt. Die Passung zwischen dem, was das Unternehmen intern lebt, und dem, was der Kunde erlebt, erklärt die stabile Markenbindung. Klaffte hier eine Lücke — freundliche Werbung, unmotiviertes Personal — bräche das Vertrauen.
Was heißt das für dich?
Prüfe, ob dein Selbstbild und das Fremdbild deiner Marke deckungsgleich sind. Frag dein Team, wofür die Marke aus ihrer Sicht steht, und frag deine Kunden, wie sie euch erleben. Klafft dazwischen eine Lücke, ist nicht die Kommunikation dein Problem, sondern die Einlösung im Alltag. In inhabergeführten Betrieben entscheidet das Verhalten deiner Leute am Kundenkontakt mehr über die Marke als jede Kampagne.
Quellen
- Burmann, C. / Halaszovich, T. / Schade, M. / Piehler, R. (2018): Identitätsbasierte Markenführung.
- Meffert, H. / Burmann, C. / Kirchgeorg, M. (2019): Marketing – Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung.
- Burmann, C. / Blinda, L. / Nitschke, A. (2003): Konzeptionelle Grundlagen des identitätsbasierten Markenmanagements.