Markenführungs-Modelle
Markeneisberg
Brand Iceberg
Das Markeneisberg-Modell von Icon Added Value trennt zwei Ebenen einer Marke: das sichtbare Markenbild über der Wasserlinie (aktuelle Wahrnehmung, Kommunikation, Auftritt) und das unsichtbare Markenguthaben darunter (über Jahre aufgebautes Vertrauen und Verankerung). Kurzfristige Maßnahmen bewegen die Spitze, doch die Stabilität einer Marke liegt im großen Teil unter Wasser — im langfristigen Guthaben.
Erklärung
Der Markeneisberg ist ein Modell des Marktforschungsinstituts Icon (Icon Added Value) zur Messung und Erklärung von Markenstärke. Das Bild ist bewusst gewählt: Ein Eisberg zeigt nur einen kleinen Teil über der Wasseroberfläche, während der weitaus größere Teil verborgen unter Wasser liegt. Genau so verhält es sich mit einer Marke — was man sieht, ist nicht das, was sie trägt.
Über der Wasserlinie liegt das Markenbild: die aktuelle, sichtbare Wahrnehmung. Dazu gehören der Werbeauftritt, die Kommunikation, das momentane Image, die kurzfristige Bekanntheit. Dieser Teil ist mit Maßnahmen relativ schnell beeinflussbar — eine gute Kampagne hebt die Spitze, eine Panne senkt sie. Aber er ist auch flüchtig: Was heute glänzt, kann morgen verblasst sein.
Unter der Wasserlinie liegt das Markenguthaben (in manchen Darstellungen: der Markenkredit oder das innere Markenbild). Es ist die über Jahre aufgebaute, tief verankerte Substanz: das grundlegende Vertrauen, die emotionale Verbindung, die gelernte Verlässlichkeit, die feste Verortung im Kopf des Kunden. Dieser Teil verändert sich nur langsam — er wächst durch konsistente Erfahrung über lange Zeiträume und schrumpft ebenso langsam. Er ist der eigentliche Wert der Marke.
Die strategische Botschaft des Modells: Wer nur an der Spitze arbeitet — mehr Werbung, mehr Sichtbarkeit, mehr Aktion —, bewegt kurzfristig etwas, baut aber kein Guthaben auf. Umgekehrt kann eine Marke mit großem Guthaben unter Wasser eine schwache Phase an der Oberfläche überstehen, weil das Fundament trägt. Markenaufbau heißt deshalb vor allem: unter Wasser wachsen. Und das dauert.
Abgrenzung
Der Markeneisberg ist nicht das CBBE-Modell von Keller. Keller beschreibt den stufenweisen Aufbau von Markenwert im Kopf des Kunden (vier Stufen bis zur Resonanz). Der Eisberg trennt zwei Zeit- und Tiefenebenen: das kurzfristig-sichtbare Bild und das langfristig-verankerte Guthaben. Der Eisberg ist ein Erklär- und Messmodell für Markenstärke, kein Aufbau-Blueprint wie CBBE.
Nicht zu verwechseln ist das Markenguthaben mit dem Markenimage. Das Image ist die aktuelle Wahrnehmung an der Oberfläche. Das Guthaben ist die tiefer liegende, träge Substanz, die das Image über Jahre gespeist hat.
Beispiel
Das Modell zeigt sich an einer Traditionsmarke wie Nivea. Über der Wasserlinie: die jeweils aktuellen Kampagnen, Produktneuheiten, der momentane Auftritt — beweglich, austauschbar, jahresabhängig. Unter der Wasserlinie: das über Jahrzehnte aufgebaute Grundvertrauen in die blaue Dose, die gelernte Verlässlichkeit, die emotionale Verankerung als vertraute Marke aus der eigenen Kindheit. Dieses Guthaben erklärt, warum die Marke einzelne schwächere Produktjahre oder Kampagnen übersteht, ohne Substanz zu verlieren. Ein Neueinsteiger könnte die Oberfläche mit hohem Werbedruck kurzfristig überstrahlen — das Guthaben unter Wasser aber nicht kaufen.
Was heißt das für dich?
Frag dich, ob du gerade nur die Spitze polierst oder wirklich Guthaben aufbaust. Mehr Sichtbarkeit, mehr Kampagne, mehr Aktion bewegen die Oberfläche — aber das, was deine Marke stabil macht, wächst nur langsam unter Wasser: durch konsistente, verlässliche Erfahrung über Jahre. Das ist die unbequeme Nachricht für jeden, der schnelle Ergebnisse will. Die gute Nachricht: Wer Guthaben hat, übersteht schlechte Phasen, für die andere teuer bezahlen.
Quellen
- Icon Added Value (Hrsg.): Icon Brand Navigation / Markeneisberg-Modell.
- Esch, F.-R. (2018): Strategie und Technik der Markenführung.
- Gabler Wirtschaftslexikon: Stichwort Markenstärke.