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Markenidentität & Markenkern

Markenwerte

Brand Values

Markenwerte sind die handlungsleitenden Überzeugungen einer Marke — die Prinzipien, nach denen sie entscheidet und handelt. Sie übersetzen den Markenkern in Verhalten und geben Mitarbeitern eine Orientierung, wenn keine Regel greift. Wertvoll sind sie nur, wenn sie Verzicht enthalten und im Alltag spürbar werden.

Erklärung

Markenwerte sind die Überzeugungen, nach denen eine Marke handelt — nicht die, die sie auf ihre Wände schreibt. Sie liegen zwischen dem Markenkern und dem konkreten Markenverhalten: Der Kern sagt, wofür die Marke steht; die Werte übersetzen das in Prinzipien; das Verhalten macht die Prinzipien im Kontakt sichtbar. Ihr eigentlicher Zweck ist Entscheidungsorientierung. Ein guter Wert hilft einer Mitarbeiterin, richtig zu handeln, auch wenn keine Vorschrift greift.

Der Unterschied zwischen echten und dekorativen Werten liegt im Verzicht. „Qualität“, „Kundenorientierung“ und „Verlässlichkeit“ sind keine Werte, sondern Erwartungen — sie kosten nichts, weil kein Wettbewerber das Gegenteil behaupten würde. Ein echter Wert enthält einen Trade-off: Er sagt, was die Marke in Kauf nimmt, um dem Prinzip treu zu bleiben. Erst dann trennt er Entscheidungen.

Im identitätsbasierten Ansatz von Burmann und Meffert sind die Markenwerte eine Komponente der Markenidentität, aus der zusammen mit Kompetenzen, Persönlichkeit und Herkunft das Markennutzenversprechen entsteht. Werte wirken damit nach innen (als Führungsinstrument für die Belegschaft) und nach außen (als Grund, warum das Nutzenversprechen glaubwürdig ist).

Die häufigste Schwäche im Mittelstand ist die Wertekur ohne Konsequenz: Drei bis fünf Werte werden in einem Workshop beschlossen, gerahmt aufgehängt — und ändern danach nichts an Einstellung, Vergütung oder Kundenumgang. Werte, aus denen keine Konsequenz folgt, sind Dekoration.

Abgrenzung

Markenwerte sind nicht der Markenkern — der Kern ist die eine übergeordnete Idee, die Werte sind die mehreren Prinzipien, die ihn stützen. Sie sind auch nicht die Markenhaltung (Purpose): Der Purpose ist das übergeordnete „Wofür“ jenseits des Produkts, die Werte sind das „Wie“ auf dem Weg dorthin. Von der Markenpersönlichkeit unterscheiden sie sich in der Perspektive: Werte sind, woran die Marke glaubt; Persönlichkeit ist, wie sie wirkt, wenn man sie sich als Mensch vorstellt.

Beispiel

Der schwäbische Werkzeugmaschinenbauer Trumpf hat Familienunternehmertum und langfristige Substanz über Jahrzehnte konsequent über Quartalsdenken gestellt — sichtbar an der Bereitschaft, in Krisen (etwa 2009) auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und stattdessen Arbeitszeit flexibel zu senken. Der Wert „Verantwortung für die Belegschaft“ ist hier keine Wandtafel, sondern eine Entscheidung mit spürbarem Preis — genau das macht ihn zu einem echten Markenwert.

Was heißt das für dich?

Nimm deine offiziellen Werte und streich jeden durch, dessen Gegenteil kein Wettbewerber ernsthaft behaupten würde. Was übrig bleibt, sind deine echten Werte — meist ein oder zwei. Und dann prüf, ob aus ihnen wirklich Konsequenzen folgen: bei Einstellungen, bei Kundenkonflikten, beim Preis. Werte ohne Konsequenz sind teuer produzierte Dekoration.